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- des Vinaturel Sommelier-Teams




Zum Jahresende sind wir alle nochmals in uns gegangen und haben das vergangene Jahr Revue passieren lassen. Wieder einmal liegt ein ereignissreiches Jahr hinter uns, mit vielen spannenden Weinen und Begegnungen. Wir haben unser Vinaturel-Team gefragt, was denn deren spannendste Weinbegegnung 2019 war - und diese Weine für Sie in ein Probierpaket geschnürrt.
 
Götz Drewitz
„Seconde Nature“ hat mehrere Bedeutungen: Die zweite Natur, auch im Sinn eines Zweiten Ichs, Selbstverständlichkeit, aber auch Verschmelzung von natürlich Gewachsenem und vom Menschen Geschaffenem. Holla, wird der ein oder die andere sagen: „jetzt wird’s philosophisch“. Dahinter steht aber ganz banal ein junger Winzer der gerade vom Vater das Champagnergut in Chamery an der Montagne de Reims mit Top Premier Cru und Grand Cru Lagen übernommen hat und seinen eigenen Weg gehen möchte. Dabei setzt der Sohn Cyril nur fort was der Vater begonnen hat: Die Biologische Bewirtschaftung der Weinberge. Er denkt das Begonnene konsequent weiter: „was die Natur mir aus den Weinbergen gibt, setze ich so natürlich wie möglich im Keller um“. Also Vergärung mit den eigenen Hefen, keine Filtration oder Schönung, kein Einsatz von Schwefel und keine Dosage. Das ist pur, das ist selbstverständlich Bio, das ist das zweite oder das neue Ich des Weingutes Bonnet-Ponson. Ein großartiger Champagner mit dem und über den es sich vortrefflich philosophieren lässt. Wir haben ihn auf der Bulles Bio entdeckt, wo sich die Creme de la Creme der Biochampagner-Erzeuger trifft. Er war der die Entdeckung. Mineralisch und doch saftig, tiefgründig und doch nicht schwer, trinkig und doch nicht belanglos. Ein wunderbarer Spannungsbogen zwischen Natur und Mensch.
 
Oliver Haag
Nach einem langen und heißen Sommer freue ich mich wie immer auf den Herbst und den Winter. Nach vielen großartigen Weißweinen kommt endlich wieder die Zeit der Rotweine die perfekt in die Jahreszeit und zu den herbstlichen Speisen passen. Unter den vielen Weinen die ich in dieser Zeit trinken werde ist der 2016er Côte Rôtie AC "Coteaux de Tupin" für die Festtage schon gesetzt. Der Wein verkörpert für mich das Ideal an Kraft ohne dabei schwer zu sein, urwüchsig und doch geschmeidig mit festem Tannin das alles unterlegt mit einer perfekten Säurestruktur die einen Trinkreflex par excellence auslöst. Das ist Syrah bzw. Serine Kino in Bestform und Reinkultur wie es nur die nördliche Rhone kann. Nun muss ich nur noch entscheiden was ich dazu kochen werde. Es wird wohl etwas mit Taube, Wildhase oder Hirsch werden, aber das wird sich fügen.
Der Wein ist gesetzt! 
 
José Segura
Elisabetta Fagiuoli ist eine lebende Legende im italienischen Weinbau. Aus einer Winzerfamilie stammend, folgte Sie Ihrem Mann in den späten 1960er in die Toscana. Er hatte ein altes Kloster des Templerordens bei San Gimignano gekauft, welches sie restaurierten und die alten Weinberge rekultivierten. San Gimignano ist den meisten Menschen, wegen der mittelalterlichen Wehrtürme bekannt. In den 1990er wurde der Weisswein Vernaccia di San Gimignano weltbekannt. 1993 erhielt er den Status der „geschützten und garantierten Herkunftsbezeichnung DOCG“. Die meisten Weine sind leichte, fruchtige Sommerweine. Dass man aber auch gehaltvolle und charakterstarke Weine erzeugen kann, beweist Elisabetta. Der 2012 Il Templare, eine Hommage an die Erbauer des Klosters, ist ein würziger, nach Kräutern, Nüssen und weißem Pfeffer riechender Wein. 
Er ist in gebrauchten Barriques ausgebaut, was ihm etwas mehr Kraft und Schmelz verleiht. Mit etwas Luft kann er seine Eleganz und Finesse zeigen. Ein Wein der mich in seiner Geschmacksvielfalt sehr überrascht hat. 
 
Stefan Peter
Von Barcelona aus geht es, der Küste entlang, nach Süden bis Tarragona. Ab hier schlängelt sich die Straße innerhalb kurzer Zeit von 0 Metern über dem Meeresspiegel bis auf über 400 HM ins Landes- innere. Entlang an imposanten Felsformationen, die teils noch Terrassenanlagen aus vergangenen Zeiten erahnen lassen. 
In Porerra folgt der unvermeidbare Wechsel auf Allrad Jeeps, anders ist der Weinberg „Mas d’en Cacador“ nicht erreichbar. Auf 650 HM wachsen hier über 80 Jahre alte Carrignena, Garnacha & Garnacha Peluda Reben (eine Form der Grenache mit kleineren Beeren und dickerer Schale), welche es in diesem, fast unwirklich kargen Steilhang auf gerade mal 30 cm. schaffen und wie Bonsai Bäumchen der Witterung trotzen. Vor allem die geringe Niederschlagsmenge treibt die Wurzeln tief in den lockeren Boden aus purem Llicorela Schiefer, da darf dann auch endlich mal wieder das Wort „Mineralität“
fallen. Die Reben stehen frei und werden ausschließlich von Hand bearbeitet. Dazwischen immer wieder Mandelbäume und Wildkräuter. Über den Sommer bleiben die Maultiere für die Bodenbearbeitung hier oben, einfach weil der Weg zu gefährlich und anstrengend wäre. Nach der Lese mit einem Durchschnittsertrag von gerade einmal 16 Hl/Ha, der Bordelaiser Winzer sucht gerade den Schreibfehler, findet die Ganztrauben Gärung im Holz statt. Der Ausbau erfolgt vorsichtig über 14 Monate in gebrauchten Fässern. Hier ist ein Wein entstanden, der seiner Herkunft Rechnung trägt. Wild und doch von einer erwachsenen Eleganz. Tiefgründig mit einer beeindruckenden Präzision und um hier meinen geschätzten Kollegen Peter Müller zu zitieren:„Saftig und voll fürsorglicher Wärme ohne dabei devot zu sein, packt er all die Würze in ein Maul voll Wein und lässt Spielraum für Vitalität.“ Ester Nin und Carles Ortiz leben Ihre Weinberge, leiden täglich mit dem Klima der Region und hören nie auf die Dinge zu hinterfragen. Genauso lebendig wie Ihre Weine.