Jérôme Prévost
Die Champagne zeichnet sich durch eine gewisse Polarität aus. Auf der einen Seite die zehn großen Champagnerhandelshäuser, die mittlerweile über 70% des Marktes dominieren, auf der anderen Seite eine Vielzahl kleinster Betriebe, die ihre Trauben meist an die Handelshäuser oder die Genossenschaften verkaufen. Eine Ausnahme bildet Jérôme Prévost, der vor einigen Jahren die Domaine von seiner Mutter übernommen hat. Folgte seine Mutter dem Vorbild vieler anderer Betriebe und verkaufte die Trauben, so schlägt ihr Sohn einen anderen Weg ein und vinifiziert selber. Jérôme wollte schon immer sein eigener Herr sein und brach auch deshalb die Schule vorzeitig ab, um sich mit Leib und Seele ganz dem Champagner und seiner Domaine verschreiben zu können.
Was für ein Glück, denn die Champagner dieser kleinen Domaine sind etwas ganz besonderes, einfach einzigartig. Hier ist alles anders. Jérôme besitzt eine zusammenhängende Parzelle von 2 ha, die ausschließlich mit Pinot Meunier bestockt ist. Auch der Boden ist nicht von Kreide dominiert, sondern ist ein Gemisch aus Sand und Fossilien. Im Durchschnitt liegen seine Erträge bei 8.500 kg Trauben/ha, aus denen er dann etwa 45 hl gewinnt (erlaubt sind derzeit 13.000 kg und damit gut 80 hl/ha). Er fügt seinen Weinen keinerlei Dosage zu. Alle Weine werden im Holzfass ausgebaut, in der Regel in gebrauchten Fässern aus dem Burgund. Die Fässer liegen in einem alten Luftschutzkeller aus dem ersten Weltkrieg tief unter der Erde, wo die Bedingungen für die Reifung der Weine ideal sind.
Das Ergebnis ist einmalig: ein Champagner voller Frucht und Finesse. Um die Authentizität von Terroir und Jahrgang zu erhalten, macht Jérôme nur Jahrgangschampagner höchster Qualität. Diese im wahrsten Sinne außergewöhnliche Qualität gefällt nicht jedem in der Champagne. So ist Jérôme im regelmäßigen Konflikt mit dem Prüfkomitee, da seine Champagner nicht den gängigen Vorstellungen entsprechen. Zu hohe Qualität und Authentizität scheinen zu stören in einem Markt, der mehr auf Kommerz denn auf höchsten Trinkgenuss und entsprechende Qualität setzt. Aber die Champagnerkenner geben ihm recht: seine 13.000 Flaschen Jahresproduktion sind schnell in allen Ländern dieser Welt vergriffen.









